Patienteninformation zu Lyme-Borreliose

Vorbeugung, Diagnose und Behandlung

Die Lyme Borreliose ist eine Infektionskrankheit. Sie wird durch das schraubenförmige Bakterium Borrelia burgdorferi (genannt nach dem Entdecker Willi Burgdorfer) hervorgerufen und von Zecken, hauptsächlich dem gemeinen Holzbock (Schild-Zecke) auf den Menschen übertragen. Dieselben Zecken können, wenn auch in Deutschland weit weniger häufig, noch andere Krankheitserreger, z. B. die für die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) verantwortlichen Viren, übertragen.

Bisher gibt es keine gesicherten Daten über den Prozentsatz bzw. die Verbreitung von Borrelien-infizierten Zecken. Die Anzahl von Neu-Infektionen und die daraus resultierenden Erkrankungsfälle beim Menschen können ebenfalls nur geschätzt werden. Sie liegen nach regionalen Untersuchungen bei ca 70-160 Infektionen pro 100 000 Einwohner. Damit ist die Lyme Borreliose die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland.

Die Lyme Borreliose ist eine Krankheit, die bei jedem Patienten individuell unterschiedliche Symptome hervorrufen kann. Die Infektion führt oft zu einem schubartigen Krankheitsverlauf, in dessen Verlauf hauptsächlich die Haut, das Nervensystem und der Bewegungsapparat, weniger dagegen Herz, Leber und Auge betroffen sein können. Diese Vielfältigkeit von möglicherweise während einer Infektion auftretenden Symptomen ist auch der Grund dafür, dass die Lyme Borreliose, insbesondere die Spätstadien, klinisch oft nicht eindeutig diagnostiziert werden kann.

Als ein frühes und eindeutiges klinisches Symptom, tritt nach mehreren Tagen bis Wochen meist – jedoch nicht in allen Fällen - im Bereich des Zeckenbisses eine Hautrötung auf. Die Rötung kann ringförmig wandern oder gleichmäßig gerötet sein, sie kann blass oder flammend rot in Erscheinung treten, je nachdem wie die Immunabwehrreaktion des infizierten Menschen verläuft. Diese Form der Hautinfektion nennt man Wanderröte oder Erythema migrans. Die Erkrankung ist häufig mit dem Auftreten von Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber und Gelenkschmerzen verbunden ("Sommergrippe").

Bis heute gibt es keinen absolut zuverlässigen serologischen Labortest (Antikörper im Blut) für den Nachweis einer Borrelien Infektion. Grund dafür ist die Tatsache, dass mit den angewandten Labortests nicht alle Antikörper erfasst werden:

  • erstens, weil in Deutschland drei pathogene Borrelien-Spezies existieren, aber oft nur eine oder zwei davon im Labortest verwendet werden und
  •  zweitens, weil Borrelien im Menschen ein anderes Eiweissmuster aufweisen, als kultivierte Borrelien.

In den letzten Jahren sind jedoch große Fortschritte in der Entwicklung von verbesserten Antikörpernachweisverfahren gemacht worden, die auch als Richtlinien für Laborärzte kürzlich veröffentlicht wurden. Die Interpretation der Testergebnisse kann jedoch nur der Arzt in Zusammenhang mit den Krankheitssymptomen vornehmen. In der Frühphase der Infektion sind die Antikörpernachweise noch schwierig, entscheidend ist dann die Vorgeschichte eines Zeckenstiches mit nachfolgender Hautrötung oder Grippesymptomatik. In der Spätphase der Infektion sind die entsprechenden Nachweisverfahren wesentlich fundierter. Bei länger bestehenden Infektionen, bei denen es u.a. zu Erkrankungen der Gelenke und des Nervensystems gekommen ist, können oftmals Antikörper über Jahre nachgewiesen werden. Direkt nach der Antibiotika Behandlung steigen häufig die Antikörper im Blut auch noch an und nehmen innerhalb von 1-2 Jahren wieder ab.

Die Lyme Borreliose muss in jedem Stadium der Erkrankung mit Antibiotika behandelt werden. Die Therapierichtlinien bezüglich der Wahl der Antibiotika und vor allem der Dauer müssen unbedingt eingehalten werden. Im Frühstadium sollte die Therapie z.B. mit Doxycyclin 200 mg über 20 Tage durchgeführt werden. Im Spätstadium sollte die Therapiedauer bis auf 4 Wochen ausgedehnt werden. Im Spätstadium der Infektion sowie bei Beteiligung des Nervensystems müssen die Antibiotika in die Vene infundiert werden. Die rechtzeitige Therapie (innerhalb von einem Jahr) führt bei den meisten Patienten zur Beschwerdefreiheit. Häufig sind auch noch Monate/Jahre nach erfolgreicher Behandlung Antikörper im Blut nachzuweisen.

Nur ein kleiner Teil von Patienten ( ca 10-20%) haben auch nach der Antibiotikatherapie noch Beschwerden und bedürfen einer besonderen Behandlung in spezialisierten Ambulanzen oder Kliniken.

Häufig gestellte Fragen und Antworten

Ist die Erkrankung in Baden-Württemberg häufig?

Etwa 10% der Zecken in Baden- Württemberg sind mit Borrelien infiziert. Bei einer Studie mit 730 gesunden Personen, konnten nach einem Zeckenstich bei 182 Personen (25%) Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Sie müssen demnach infiziert worden sein. Eine Infektion führt jedoch nicht generell zu einer Erkrankung!

Wie schützt man sich vor Zeckenstichen?

Überall in Waldgebieten sowie in innerstädtischen Parkanlagen und Gärten trifft man die Schildzecke (Holzbock) an. Zecken fallen nicht von Bäumen sondern sitzen auf Gräsern und Büschen (bis 1 m Höhe) und heften sich bei Kontakt an. Man sollte möglichst Kleidung tragen, die genügend Schutz vor Zeckenstichen bietet (Stümpfe über Hosenbeinen). Nach dem Aufenthalt im Wald, Park oder Garten sollte man seinen Körper immer nach Zecken absuchen.

Gibt es eine Methode, die Zecken "richtig" zu entfernen?

Entdeckt man eine Zecke am Körper, sollte man sie mit einer Pinzette unmittelbar an den Mundwerkzeugen anfassen und durch vorsichtiges Ziehen entfernen (Zecken nicht quetschen). Keinen Nagellack oder Klebstoff verwenden - Gefahr der Übertragung von Borrelien bei Ersticken der Zecken. Je früher man die Zecke entdeckt, umso leichter lässt sie sich entfernen.

Muß man nach jedem Zeckenstich zum Arzt gehen?

Nein, aber man sollte die Zecke restlos aus der Haut entfernen und die Einstichstelle sowie das allgemeine Befinden sorgfältig beobachten. Im Zweifelsfall - bei grossflächiger Rötung in jedem Fall - sollte der Arzt aufgesucht werden.

Wie bemerkt man die Erkrankung?

Etwa 1 bis 2 Wochen nach dem Stich kann sich eine Wander-Rötung von der Einstichstelle her ausbreiten (nicht in jedem Fall!) Im Zentrum verblasst diese wandernde Rötung. Während dieses 1. Stadiums der Erkrankung kann man sich schlapp und müde fühlen oder andere Grippe ähnliche Symptome entwickeln.

Wie verläuft die Erkrankung?

Zunächst kommt es immer zu einer Hautinfektion, die jedoch wegen der geringen Beschwerden oft übersehen wird. Manche Patienten entwickeln im Verlauf einer Infektion häufig erst Wochen nach dem Zeckenstich Muskel- und Gelenk- (meist nur auf ein oder wenige Gelenke - oft Kniegelenke beschränkt) und vor allem Nervenschmerzen, die besonders während der Nacht auftreten können. Bei Kindern und Jugendlichen stellen sich als Symptome meist Nackensteifigkeit ein, manchmal auch eine vorübergehende halbseitige Gesichtslähmung. Auch Schwellungen der Kniegelenke können auf eine Infektion mit dem Erreger hinweisen.

Können bleibende Schäden auftreten?

Wenn die Borreliose nicht antibiotisch behandelt wird, können die Bakterien zu einer chronischen Entzündung führen. Die Haut, besonders häufig an den Enden der Gliedmaßen (Hand- und Fußrücken sowie Knie- und Ellenbogengelenke), kann sich tiefrot verfärben, wird dünn und wird nach Jahren pergamentartig. Häufig treten auch Missempfindungen im Bereich der infizierten Haut auf. Selten wird in einem späten Stadium der Infektion das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen. Als Symptome können z.B. Lähmungen und psychische Veränderungen auftreten.

Kann die Erkrankung behandelt werden?

Ja, mit Antibiotika kann man die Borreliose besonders in der Frühphase der Infektion gut behandeln. Eine Therapie mit Medikamenten lindert die möglichen Spätfolgen der Borreliose. Ohne ärztlichen Rat sollte man aber keine Medikamente einnehmen.

Wie sicher ist der Nachweis der Erkrankung?

I n der Regel reagiert der Körper mit der Bildung von Antikörpern auf den ingedrungenen Erreger. Diese Abwehrstoffe und damit indirekt die nfektion können im Blut und Nervenwasser ( Liquor) mittels erschiedener Labortests nachgewiesen werden werden. Im Vordergrund steht ber nach wie vor die klinische Diagnose des behandelnden Arztes.

Gibt es einen Impfstoff gegen die Lyme Borreliose?

Bisher nur in den USA. Die Entdeckung, dass es in Europa, im Gegensatz zu den USA, mehrere Borrelien-Subtypen (3) gibt, verlangt die Entwicklung eines erweiterten Impfstoffs. Ein solcher ist z.Zt. in der Erprobung.

Kontaktadressen:

Prof. Dr. Heidelore Hofmann
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Am Biederstein der TU München
Biedersteinstr. 29
80802 München

Dr. Robert Lange
hospital - Laborverbund
Ladeburgerstr. 15-17
16321 Bernau

 Prof. Dr. Markus M. Simon
Max Plank-Institut für Immunbiologie
Stübeweg 51
79108 Freiburg

Dr. Ewald Unteregger
Praxis für Allgemeinmedizin und Chirotherapie
Zähringerstr. 331 a
79108 Freiburg

PD Dr. Reinhard Wallich
Institut für Immunologie der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 305
D-69120 Heidelberg