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EFQM in der Hausarztpraxis

Ein Modell aus der ambulanten Versorgung

 

 

Einleitung:
Die QP Qualitätspraxen GmbH ist ein überregionaler Hausarztverbund, gegründet 1998, mit derzeit 130 Gesellschaftern und einem 5köpfigen Lenkungsgremium. Für die Mitgliedschaft in der GmbH sind bestimmte Aufnahmekriterien definiert. Die Finanzierung erfolgt durch Teilnahme an und Organisation von Projekten mit Krankenkassen, Universitäten und Pharmafirmen. Die GmbH wird dabei durch einen wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Für alle Gesellschafter besteht die Verpflichtung zu umfassenden qualitätsfördernden Maßnahmen, so wie „Teilnahme an Qualitätszirkeln und Nutzung von Leitlinien“, die „Analyse von Verordnungen und veranlassten Leistungen mit dem Ziel einer kostenbewussten Pharmakotherapie und Vermeidung von überflüssigen med. Leistungen“. Die Qualifizierung nach dem EFQM – Modell inkl. Patientenbefragung ist ebenso Pflicht, wie die Nutzung moderner Medien inkl. integriertem Patientenpass, E-Mail und Internetzugang sind Voraussetzung für die Beteiligung.

Ausgangslage:
Im Gesundheitssektor existieren bereits einige Qualifizierungs- und Zertifizierungsmodelle, diese sind jedoch aus Kosten- und Strukturgründen bisher kaum anwendbar in der (Haus-) Arztpraxis. In der Zukunft wird auch für den niedergelassenen Arzt Qualitätssicherung zur Pflicht werden. So sieht z.B. die Musterberufsordnung für Ärzte vor, dass Maßnahmen zur Sicherung der Qualität der ärztlichen Tätigkeit getroffen werden müssen. In den Bundes-mantelverträgen zwischen KBV und Krankenkassen sind Bestimmungen der Qualität formuliert. Das GKV-Gesundheitsreformgesetz 2000 (§§135-139) sieht vor, dass “Vertragsärzte verpflichtet sind, sich an einrichtungsübergreifenden Maßnahmen der Qualitätssicherung zu beteiligen, die insbesondere das Ziel haben, die Ergebnisqualität zu verbessern“ (§135a(2) SGB V). Schließlich hat die 72. Gesundheitsministerkonferenz im Juni 1999 beschlossen, dass bis 1.1.2003 Qualitätsmanagement durch Dokumentation in jährlichem Qualitätsberichten einzuführen sei und ab 1.1.2005 Pflicht werden solle.
Ob es dazu kommen wird, ist zwar noch ungewiss, Tatsache ist aber, dass eine Qualitätsoffensive in Zukunft auch in der Hausarztpraxis zu Umdenken führt und die Einführung von Qualitätsmanagement fördert.
Die QP Qualitätspraxen haben sich deshalb entschlossen, das EFQM Modell zu übernehmen und in ihren Praxen umzusetzen. Alle Gesellschafter der GmbH müssen ihre Praxis nach den Regeln des EFQM Qualifizierungsmodells bewerten. Zum besseren Verständnis und gleichzeitig zur leichteren Umsetzung haben 50% der Gesellschafter die Schulung zum EFQM Assessor erfolgreich absolviert. Dies ist auch bei der später durchzuführenden externen Bewertung von Vorteil.

WAS IST EFQM?

Das Modell für Business Excellence der European Foundation for Quality Management
(EFQM) mit Sitz in Brüssel ist eine internationale Richtlinie mit dem Ziel der Einführung von Total Quality Management (TQM). Nach DIN EN ISO 8402 bezeichnet man TQM im deutschen Sprachgebrauch auch mit "Umfassendem Qualitätsmanagement". Hierunter versteht man eine "auf der Mitwirkung aller Mitglieder einer Organisation basierenden Managementmethode, die Qualität in den Mittelpunkt stellt und durch Zufriedenstellung der Kunden auf langfristigen Geschäftserfolg, sowie auf den Nutzen für die Mitglieder der Organisation und für die Gesellschaft zielt."
Das TQM hat den Nutzen aller Mitglieder der Organisation, der Gesellschaft und den lang-fristigen Geschäftserfolg zum Ziel. Das Grundschema des EFQM- Modells basiert auf den
drei fundamentalen Säulen des TQM, d.h. der gleichzeitigen Orientierung an den
Kunden, Mitarbeitern und Prozessen (Janßen, H. 1997, 100).
Wir unterscheiden Befähigerkriterien und Ergebniskriterien. Die Befähigerkriterien besagen wie die Qualität erzielt wird, die Ergebniskriterien welche Qualität erzielt wird.

Zu den Kriterien im Einzelnen:

K1 beurteilt die Praxisführung und wird mit 10 % bewertet. Darunter versteht man wie das Führungsteam und alle anderen Führungskräfte eine Kultur des umfassenden Qualitätsmanagements anregen, unterstützen und fördern.
K2 beinhaltet Politik und Strategie und wird mit 8 % bewertet und besagt, wie die Organisation Politik und Strategie formuliert, stufenweise herunterbricht, überprüft und in Pläne und Maßnahmen umsetzt.
K3 betrifft die Mitarbeiter, 9 % Wertigkeit, und besagt, wie die Geschicklichkeit und der Einsatz der Mitarbeiter entwickelt werden und somit das gesamte Potential der Mitarbeiter freigesetzt wird.
K4 betrifft Partnerschaften und Ressourcen und wird ebenfalls mit 9 % bewertet und beschreibt, wie die Ressourcen effektiv eingesetzt werden, um Kosten und Verschwendung zu reduzieren.
K5 schließlich beurteilt die Prozesse mit 14 %. Dabei werden Arbeitsplatzbeschreibungen erstellt und die Prozessabläufe einer Praxis beschrieben, die dazu führen, bestimmte Ziele zu erreichen und Wert zu schaffen.
K6 behandelt die Kundenergebnisse und wertet sie entsprechend hoch mit 20 %. Dabei wird insbesondere anhand von Patientenfragebögen die Zufriedenheit der Patienten erfragt und was sie an die Praxis bindet.
K7 beurteilt die Mitarbeiterergebnisse mit 9 % und beschreibt, was in Hinsicht auf motivierte und zufriedene Mitarbeiter erreicht wird.
K8 bewertet die gesellschaftliche Verantwortung mit 6 % und beurteilt, was die Organisation bei der Erfüllung der Wünsche und Erwartungen der lokalen, nationalen und internationalen Gemeinschaft insgesamt leistet. Dazu gehört die Bewertung der Gemeinschaft bezüglich der Einstellung der Organisation zur Lebensqualität, Umwelt und Erhaltung der globalen Ressourcen sowie die Messgrößen der Organisation selbst bezüglich Effektivität.
K9 schließlich erfasst die Schlüsselleistungen mit 15 % und besagt, was an Geschäftsergebnissen erreicht wird in Bezug auf Umsatz, Gewinn, Patientenzahl und Lebensqualität.

Nachdem wir uns mit diesem Modell vertraut gemacht hatten stellten wir rasch fest, dass eine Umsetzung und Anwendung in der Hausarztpraxis außerordentlich schwierig und zeitaufwendig war. Die Suche nach einer umsetzbaren Lösung begann. Es wurde eine Arbeitsgruppe von 8 QP- Ärzten und 29 Praxismitarbeiterinnen gebildet, die unter Anleitung von autorisierten EFQM Trainern aus Brüssel und Sozialwissenschaftlern in einem mehrtägigen Workshop einen umfangreichen Fragebogen für die Selbstbewertung anhand der o.g. Kriterien entwickelten. Dieser Fragebogen wurde dann in 2 Modellpraxen exemplarisch getestet und durch die Gesellschaft für empirische Beratung (GEB) in Freiburg ausgewertet. Nach einigen Korrekturen und Verbesserungen konnte der erste Schritt der Selbstbewertung in den Praxen beginnen. Das Gesamtergebnis der EFQM-Selbstbewertung führte zu folgendem repräsentativen Ergebnis:


Auffallend bei der Auswertung war die relativ niedrige Punktbewertung im Bereich K6-Kundenzufriedenheit. Die Analyse dieses Kriterienpunktes ergab dabei eine mangelhafte Erfassung durch Patientenbefragung und Rücklaufquoten. Patientenbefragungen wurden bis dahin in den wenigsten Praxen durchgeführt.

In der Gegenüberstellung von Wertigkeit und Wichtigkeit konnte eine deutliche Gewichtung der Wichtigkeit bei niedriger Wertigkeit festgestellt werden. Daraufhin sahen wir dringenden Handlungsbedarf in der Durchführung einer Patientenbefragung.

Sinn und Ziel der Patientenbefragung:

Da auch im EFQM Modell der Kundenzufriedenheit mit 20% der höchste Stellenwert eingeräumt wird, wurde diesem Kriterienpunkt besondere Beachtung geschenkt. Außerdem verspricht eine Patientenbefragung eine gute Bewertung der Praxis, einmal hinsichtlich verschiedener Leistungsmerkmale (absolut) sowie im Vergleich zu anderen Praxen (relativ).
Durch die externe Einschätzung der eigenen Leistung und die Kenntnis der Bewertung und Wünsche der Patienten wird ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess angeregt. Im Vergleich mit anderen Praxen besteht die Möglichkeit des „Von den Anderen Lernens“ (Benchmarking).
In Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische Beratung (GEB) in Freiburg wurde ein validierter Fragebogen entwickelt mit speziellen Fragen zu Leistungsmerkmalen, Soziodemographie und QP Aspekten. Die Befragung erfolgte schriftlich sowohl in den Praxen als auch zu Hause und dauerte ca. 10-15 Minuten. Erreicht werden sollten 100 auswertbare Bögen pro Praxis, was bei einer Rücklaufquote von fast 80% zu einem Datenpool von über 5000 Fragebögen geführt hat, ein meines Wissens bisher einmaliges Ergebnis in Hausarztpraxen in Deutschland.
Die 45 Einzelfragen zu Organisation und Behandlung beziehen sich auf sechs Qualitätsdimensionen: Praxisorganisation, Praxisausstattung und Wartezeiten, sowie ärztliche Kompetenz und Information, Interaktion und Kommunikation und emotionale Unterstützung.
Als Beispiel hier die Problemdimension Wartezeiten bei der Auswertung einer Einzelpraxis im Vergleich zu dem Gesamtkollektiv:



Die weitere Auswertung anhand von „Erklärung und Entschuldigung“ zeigt die Hintergründe des Problems:

Außerdem besteht im Freitext für die Patienten die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge anzugeben. Diese Informationen sowie die Auswertungen der Einzelfragen ergeben die Möglichkeit der Ermittlung von den „Praxenbesten“ und damit die Chance des „Voneinanderlernens“.

 

Wie geht es weiter?

Die Ergebnisse sowohl der Selbstbewertung wie auch der Patientenbefragung werden im Team und in den Qualitätskonferenzen, einer regelmäßig stattfindenden Gesellschafterversammlung, bekannt gegeben und analysiert. Die wichtigsten Informationen werden per Aushang in den Praxen den Patienten mitgeteilt. In sogenannten Praxisaudits werden durch Fremdassessoren externe Bewertungen und Überprüfungen vorgenommen, gleichzeitig wird ein Aktionsplan und ein Qualitätsmanagementhandbuch erstellt.

Wie ist die Kosten / Nutzenrelation des Modells?

Selbstverständlich kostet die Umsetzung und Auswertung solch eines Qualitätsmodells Geld, wobei durch gemeinsame Organisation und zeitgleiche Durchführung die realen Kosten für die Einzelpraxis im Vergleich zu marktüblichen Preisen erschwinglich sind (ca. 2000,-€). Nicht mitgerechnet sind die vielen Stunden der Mitarbeiter und des Praxisinhabers. Viel Zeit und Geduld müssen daher aufgebracht werden. Dafür erleben die Praxen eine erhebliche Steigerung der Patientenzufriedenheit und der Mitarbeitermotivation. Die Praxisabläufe werden verbessert und führen sowohl bei Praxisinhaber als auch bei den Mitarbeitern zu Zeitgewinn und Zunahme der Lebensqualität.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die QP Qualitätspraxen die freiwillige Einführung eines Qualitätsmanagementsystems nicht bereut haben und trotz finanziellem und zeitlichem Aufwand sich der Einsatz gelohnt hat. Die Anerkennung bei den Patienten, den Krankenkassen und Krankenhäusern ist nicht zu übersehen und das Gefühl, innovativer und fortschrittlicher zu sein als andere Praxen fördert die Motivation der Mitarbeiter und Praxisinhaber und treibt den ständigen Verbesserungsprozess voran.

   
  Wenn Sie mehr wissen wollen....
     
     
  W.Niebling

wniebling@t-online.de

  A. Mühlbacher

muehlbacher@empirische-beratung.de

  M. Nübling

nuebling@empirische-beratung.de

  H. Böckmann
(Geschäftsführer QP)

Harro.Boeckmann@t-online.de

  B. Dietsche
(EDV-Arbeitskreis)

BDietsche@t-online.de

  E. Unteregger
(EFQM-Arbeitskreis)

EUnteregger@t-online.de

  www.qualitätspraxen.de

 
  EFQM:

info@efqm.org/www.efqm.org

     
     
     

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EFQM

Ein Qualitäts-
sicherungsmodell
aus der ambulanten Versorgung umge-
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