Multiorganerkrankung beim Menschen. In Europa erstmals von Buchwald 1883 als Hautkrankheit und 1922 von Garin /Bujadoux als Meningitis nach Zeckenstich beschrieben.
In USA 1976 erstmals als endemische Arthritis bei Kindern beschrieben (Name von Old Lyme, Cn., USA). 1981 Entdeckung des Erregers durch Willy Burgdorfer. Seitdem Beschreibung des Krankheitspektrums als Entität und internationale Bezeichnung als Lyme Borreliose seit 1986.
durch Zecken; in Europa durch den gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus).

Weibliche Zecke der Gattung Ixodes ricinus ( Gemeiner Holzbock )
Foto: A. Grambow

Weibliche Zecke der Gattung Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) nach Blutmahlzeit
Foto: A. Grambow

Rasterelektronische Aufnahme des Saugapparates einer Zecke der Gattung Ixodes ricinus ( Gemeiner Holzbock)
Foto: V. Steger
Spirochäte Borrelia burgdorferi (B.b.)
in Deutschland/Europa 3 pathogene Spezies:
Möglicherweise induzieren die drei Spezies unterschiedliche Krankheitsbilder (s.o.)

Bakterium Borrelia burgdorferi
Foto: A. Liebisch
Wichtig!
Die drei Spezies sind sehr heterogen, d.h. Unterschiede in Genen und Proteinen/Antigenen (s.a. Labordiagnose). Dies muss bei der Entwicklung von diagnostischen Tests und Impfstoffen unbedingt berücksichtigt werden (s. Labordiagnostik).
hauptsächlich gemäßigte Klimazonen der nördlichen Hemisphäre
Frühinfektion der Haut
a.) klinisch eindeutig!!
Wichtig:
In jedem Fall antibiotisch zu behandeln auch wenn noch keine borrelienspezifischen Antikörper nachweisbar sind
b.) klinisch nicht eindeutig!!
Sehr variabel, sowohl in Früh- wie in Spätphase.

Anamnestische Daten:
Klinik, z. Zt. entscheidend: Labor
bisher kein Goldstandard, aber:
Gründe
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Stadien |
Medikament |
Dosis Erwachsener |
Dosis Kinder |
| Stadium I | Doxycyclin (oral) Dauer 2 Wochen |
2 x 100 mg tgl | Nur über 8 Jahre 2-5-mg/kg/KG tgl aufgeteilt in 2 x tgl |
| Amoxicillin (oral) Dauer 2 Wochen |
3 x 750 mg tgl | 50 mg7kg/KG tgl aufgeteilt in 3 x tgl |
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| Cefuroxim (oral) Dauer 2 Wochen |
2 x 500 mg tgl | 30 mg/kg/KG aufgeteilt in 2 x tgl |
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| Geringere Effektivität: | Erythromycin Roxithromycin Azithromycin |
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| Stadium II frühe Organmanifestation |
Doxycyclin (oral) Dauer 4 – 6 Wochen |
s.o. | s.o. |
| Amoxicillin (oral) Dauer 4 – 6 Wochen |
s.o. | s.o. | |
| Stadium II chron. Organmanifestation |
Ceftriaxon Dauer 2-4-Wochen |
2 g i.v. 1 x tgl | 75-100 mg/kg/KG tgl i.v. 1 x tgl |
| Stadium III | Cefotaxim Dauer 2-4-Wochen |
2 g i.v. 3 x tgl | 150-200mg/kg/KG tglaufgeteilt in 3 x tgl |
Wichtig:
Bei der Verordnung von Doxycyclin den Patienten aufklären über erhöhte Lichtempfindlichkeit und gastrointestinale Beschwerden. Unbedingt darauf hinweisen, dass im Zusammenhang mit der Tabletteneinnahme keine Milchprodukte gegessen werden dürfen, da es sonst zur Chelatbildung und mangelnden Resorption des Antibiotikums kommen kann. Patienten darauf hinweisen, dass die Dauer und Dosierung eingehalten werden muß, da sonst eventuell Borrelien in bradytrophen Geweben persistieren können. Orale Gabe von Penicillin V, Cephalosporine der 2. Generation und Erythromycin haben eine höhere Versagerquote als die empfohlenen Antibiotika.
Frühinfektionen mindestens 14 Tage behandeln, Spätinfektionen 3-4 Wochen. Eine einmalige Antibiotikatherapie in der angegebenen Dauer und Dosierung reicht. Wiederholung der Therapie nur in seltenen Fällen erforderlich.
Bei EM ohne Labor antibiotisch behandeln; in den meisten Fällen einfach und unproblematisch. Generelle Antibiotikatherapie nach jedem Zeckenstich ist nicht sinnvoll, da das Risiko nach einem Zeckenstich zu erkranken nur bei 1 % liegt.
Beschwerdefreie Patienten sind unabhängig vom serologischen Befund nicht behandlungsbedürftig, Ausnahme Schwangere und Personen mit ansteigenden IgM-Antikörperkonzentrationen Nach erfolgter Therapie können noch Monate bis Jahre erhöhte AK nachweisbar sein (Serumnarbe).
Auch IgM Persistenz über 1-3- Jahre bei erfolgreicher Therapie ist möglich. Beurteilung ist nur bei quantitativer Angabe der IgM-Antikörper möglich: bei starkem IgM Anstieg und persitierenden und wiederauftretenden Beschwerden ist eine erneute Antibiotikatherapie gerechtfertigt.
rekombinates Lip.Osp A, Lymerix TM
Bisher nur für die USA zugelassen, nicht geeignet für Europa, kein umfassender Schutz. Grund: USA, nur eine B.b. Spezies ( B. burgdorferi sensu strictu.
In Europa dagegen mindestens 3 humanpathogene Spezies: B. afzelii, B. garinii und B. burgdorferi sensu stricto. Erweiterter trivalenter Impfstoff (3 OspA Spezies) für Europa in der Erprobungsphase.
Ein rekombinantes Oberflächen-Protein (OspA) von B.b., das im Menschen schutzvermittelnde Antikörper induziert.
Anti- Osp A Antikörper des geimpften Wirtes werden von Zecken während Blutmahlzeit aufgenommen und töten Erreger bereits im Vektor ab.
Transmission des Erregers wird blockiert!
Vorraussetzung: ausreichend hohe zirkulierende Antikörperkonzentrationen sind vorhanden.
Prinzip Impfstoff: Im Patienten gebildete Antikörper erkennen Erreger in der Zecke.

Grund
Zielstruktur von schutz-vermittelnden Antikörpern wird von B.b. nur in der Zecke nicht aber im Menschen exprimiert.
Nachweismethoden: Anamnese, klinischer Befund und Labor-Diagnostik
Erregerisolierung über Kultur:
schwierig, nur in Ausnahmefällen erfolgreic.h (dauert 1-10 Wochen)
Amplifikation mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) aus Haut, Liquor, Synovia möglich, aus Urin und Blut sehr unsicher. ( falsch positive und falsch negative Ergebnisse) Bisher nicht zur Routine-Diagnostik geeignet!
1.Stufe
2.Stufe
wenn EIA positiv oder grenzwärtig, WB zur Bestätigung !
IgM
WB
IgG
WB
zusätzlich zu Serodiagnose:
Ak-Nachweis im Liquor cerebrospinalis in Kombination mit Eiweißdiagnostik wegweisend
Immer zwei serologische Verfahren:
IFT + WB oder EIA + WB, da in Abhängigkeit von Krankheitsdauer einzelne Tests negativ sein können
Grund:
Infektionsbedingte Öffnung der Blut/Liquor- Schranke
Nachweis
zusätzlich zu Serodiagnose:
Ak-Nachweis und PCR aus Synovialflüssigkeit des befallenen Gelenks
Immer zwei serologische Verfahren:
IFT + WB oder EIA + WB
Fehlende Sensitivität und Spezifität ( z.B. Koinzidenz von Durchseuchungtiter und Gelenkerkrankung anderer Genese)
Falsch positive
Falsch negative
kein Beweis für fehlende Früh-Infektion:
Gründe
Erklärung
aber
Schema: Erklärungsschema für Probleme bei Serologie

Grund:
Unterschiedliches Antigenmuster der Borrelien im Patienten und in der Kultur; Konsequenz: viele spezifische Antikörper werden im Testsystem nicht erkannt.

Grund:
Testsystem
Cocktail aus B.b. Proteinen (rekombinant), die vom Erreger im Patienten exprimiert werden und Antikörper induzieren.
Einsatz im EIA und Western Blot
bei Seronegativität
T-Zell Diagnostik möglich (in der Erprobung)
Prof. Dr. Heidelore Hofmann
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Am Biederstein der TU München
Biedersteinstr. 29
80802 München
Dr. Robert Langehospital - Laborverbund
Ladeburgerstr. 15-17
16321 Bernau
Prof. Dr. Markus M. Simon
Max Plank-Institut für Immunbiologie
Stübeweg 51
79108 Freiburg
Dr. Ewald Unteregger
Praxis für Allgemeinmedizin und Chirotherapie
Zähringerstr. 331 a
79108 Freiburg
PD Dr. Reinhard Wallich
Institut für Immunologie der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 305
D-69120 Heidelberg