Wissenswertes zum gesundheitsbewußten Leben für Patienten mit
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Das menschliche Urogenital-System setzt sich -wie Sie wissen- aus den parenchymatösen Organen (das spezifische Gewebe eines Organs) Niere, Prostata und Hoden und den Hohlerganen (Nierenbecken, Harnleiter, Blase und Harnröhre) zusammen.

Ganz allgemein ist wichtig, daß Entzündungen der parenchymatösen Organen in der Regel

  • mit hohem Fieber und

  • stärkeren Allgemeinerscheinungen verbunden sind

  • und häufiger chronisch werden als

Entzündungen der Hohlorgane, die in der Regel

  • ohne hohes Fieber verlaufen,

  • oft spontan ausheilen und

  • recht selten mit stärkeren Medikamenten behandelt werden müssen.

Die entzündlichen Nierenerkrankung (Nephritiden) stellen eine Gruppe von Erkrankungen mit unterschiedlichster Ausprägung der Beschwerden bei den betroffenen Patienten dar. Allen Nephritiden gemeinsam ist jedoch die Tatsache, daß es zu einer Entzündung der Nieren kommt womit eine Funktionseinschränkung oder ein Funktionsverlust des Ausscheidungsorgans Niere verbunden ist. Deshalb werden Abfallstoffe nicht mehr ausreichend ausgeschieden und können so zu Vergiftungserscheinungen mit lebensbedrohlichen Zuständen führen. Ursachen, Beschwerden, Therapie und Prognose der jeweiligen Nephritis können dabei sehr unterschiedlich sein. Je nachdem ob die Erkrankung durch Bakterien hervorgerufen wird, oder ob keine Bakterien an der Entstehung beteiligt sind, spricht der Mediziner von bakterieller und abakterieller Form. Daneben spielt für die Einteilung der Erkrankung der Verlauf eine Rolle. Es wird unterschieden, ob die Entzündung akut aufgetreten ist, oder ob eine chronische Form vorliegt. Deshalb untergliedert man letztendlich in

  • akute bzw. chronische bakterielle Nierenentzündungen und
  • akute bzw. chronische abakterielle Nierenentzündungen

Die beim Patienten am häufigsten vorkommende Nierenentzündung ist die akute bakterielle Form, die sog. Nierenbeckenentzündung oder Pyelonephritis.
Hierbei kommt es zum Eindringen von Bakterien über die Harnröhre. Die Erreger wandern durch Harnröhre und –blase weiter nach oben. Dadurch kommt es zum Befall des Nierenbeckens und der übrigen Nierenstrukturen. Die Folge ist eine Entzündung. Frauen sind von derartigen Infektionen wesentlich häufiger betroffen als Männer. Dies beruht auf der Tatsache, daß die Harnröhre bei der Frau nur wenige Zentimeter lang ist. Bei Männern liegt die Ursache meist in einer Abflußstörung des Harnsystems.
Zur Infektion kann es jedoch nicht nur durch sogenannte aufsteigende Erreger über Harnröhre und Blase kommen, auch über den Blutweg können Erreger eine solche Nierenentzündung hervorrufen. Dies geschieht beispielsweise bei Infekten mit Entzündungen der Herzinnenwand = Endokarditis, vereiterten Herden im Zahn- und Kieferbereich oder aber auch durch eine Tuberkulose. Diese akuten Formen können in einen chronischen Zustand übergehen, das bedeutet es kommt nicht zum Ausheilen der Krankheit, sondern zu bleibenden Nierenschäden mit narbigen Veränderungen.

Die nicht bakteriell bedingten akuten Formen treten wesentlich seltener auf.
Es kommt dabei zur beidseitigen Entzündung der Nieren. Im Gegensatz zu den bakteriellen Formen liegt die Ursache für das auftreten einer Entzündung in einer allergischen Reaktion, d.h. die Störung liegt also im körpereigenen Abwehrsystem = Immunsystem. Abakterielle chronische Nierenentzündungen sind meist auf eine jahrelange Schmerzmitteleinnahme zurückzuführen. Diese Veränderungen können auch im Rahmen von Stoffwechselstörungen wie Beispielsweise bei der Gicht oder beim Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit auftreten.

 

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Was leisten eigentlich die Nieren?

Die Nieren haben die Aufgabe, den Wasserhaushalt sowie die Konzentration der Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, u.a. im Körper konstant zu halten. Darüber hinaus erfüllen sie eine entscheidende Funktion bei der Ausscheidung von Abfallstoffen, die im Körper anfallen. Je nachdem wieviel Wasser und Mineralstoffe dem Körper mit der Nahrung zugeführt werden wird stärker oder schwächer konzentrierter Urin produziert und ausgeschieden.

Mit dem Urin müssen auch die im Körper anfallenden "Abfallstoffe" ausgeschieden werden. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, arbeitet die Niere nach einem komplizierten Filterprinzip.
In der menschlichen Niere liegen kleinste Nierenkörperchen = Glomeruli, die man sich stark vereinfacht wie kleine Filter vorstellen kann. Diese Filter werden vom Blut durchströmt, so daß Wasser und die für den Körper schädlichen Stoffe dabei herausgefiltert werden können. Anschließend gelangt das Filtrat in ein Kanälchensystem, in dem geprüft wird, welche Substanzen für den Körper noch nützlich sind und welche ausgeschieden werden müssen.

Bei den entzündlichen Nierenerkrankungen kommt es zur Veränderungen dieser Kanälchen und des Gewebes um die Kanälchen, häufig ist auch das Nierenbecken mitbetroffen. Bei den Glomerulonephritiden greift die Entzündung zusätzlich noch auf die Nierenkörperchen über. Die Folge ist eine Störung der Harnbildung und Harnkonzentrierung, was zum völligen Nierenversagen führen kann.

 

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Akute bakterielle Nierenentzündungen sind durch ihren plötzlichen Beginn gekennzeichnet. Bei den Patienten kommt es aus völliger Gesundheit heraus zu Fieber mit Schüttelfrost und starken Schmerzen in den Flanken. Weiterhin haben die Patienten Beschwerden wie gehäufter Harndrang bei nur kleinen Urinportionen und ein Brennen beim Wasserlassen. Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, allgemeines Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen und Müdigkeit kommen oft noch hinzu. Seltener kommt es zu Erbrechen und Bauchschmerzen mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust.

Bei der chronisch bakteriellen Nierenentzündung liegt als Ursache meist ein Infekt vor, der sich auf eine schon vorgeschädigte Niere regelrecht "aufpfropft". Die Symptome dieser Patienten sind recht unterschiedlich, es können alle Erscheinungsformen auftreten von Beschwerdelosigkeit bis hin zum kompletten Nierenversagen mit Versiegen der Urinproduktion und Vergiftungserscheinungen durch das Anhäufen schädlicher Substanzen im Körper. Im allgemeinen bemerken die Patienten aber eine langsam zunehmende Leistungsschwäche mit allmählich fortschreitendem Gewichtsverlust und leicht erhöhter Temperatur. Hinzu kommen Störungen des Herz- und Kreislaufsystems wie Bluthochdruck und Einschränkungen der Pumpleistung des Herzens. Infolge der schlechten Nierenfunktion treten, besonders an den Unterschenkeln, Knöcheln und Händen, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe = Ödeme auf. Für viele Patienten sind aber die wesentlichen Symptome, die sie zum Arzt führen die Druckschmerzhaftigkeit im Nierenlager, seitlich der Wirbelsäule und die sie belastenden Beschwerden beim Wasserlassen wie häufiger, auch nächtlicher Harndrang bei nur kleinen Urinmengen.

Bei der akuten abakteriellen Nephritis (also nicht durch Bakterien ausgelösten Nierenentzündung), die infolge eines Infektes auftreten kann sind oft erste Symptome Blutbeimengungen im Urin.
Liegt die Ursache stattdessen in einer allergischen Reaktion des Körpers, stehen Gelenkbeschwerden und Hautausschläge im Vordergrund. Schmerzen in der Nierenregion treten genauso wie bei den bakteriellen Form auf. Je nachdem wie groß das Ausmaß der Nierenschädigung ist, können auch Ödeme, hoher Blutdruck und eine eingeschränkte Urinproduktion vorliegen.

Die abakterielle chronische Nierenentzündung verläuft über einen sehr langen Zeitraum unbemerkt. Die Krankheit schreitet jedoch weiter fort, so daß die Nierenschädigung stetig zunimmt. Ursache für diese Nierenerkrankung sind häufig jahrelange Schmerzmitteleinnahme. Diese Form der Nephritis macht lange Zeit keine oder nur recht unspezifische Symptome wie Rücken- oder Kopfschmerzen. Erst im späten Stadium, wenn es zur erheblichen Störung und Einschränkung der Nierenfunktion gekommen ist bemerken die Patienten eine verminderte Urinproduktion und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe.

 

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Diagnostik und Therapie

Durch eine exakte Befragung des Patienten und die körperliche Untersuchung gewinnt der Arzt wertvolle Informationen und kann die Verdachtsdiagnose einer entzündlichen Nierenerkrankung stellen.

Mit Hilfe von verschiedenen Urin und Blutuntersuchungen läßt sich dieser Verdacht abklären bzw. bestätigen. Auch eine Ultraschalluntersuchung der Niere und der ableitenden Harnwege ist nötig, um eventuell aufgetretene Veränderungen der Nierenstruktur rechtzeitig zu erkennen.

Reichen diese Möglichkeiten nicht aus um eine exakte Diagnose stellen zu können, kann in seltenen Fällen auch eine kleine Gewebeentnahme aus der Niere notwendig werden.

Liegt eine bakteriell bedingte Nierenentzündung vor, können durch eine konsequente und gezielte Antibiotikatherapie die Bakterien eliminiert werden, so daß ein Abklingen der Entzündung und die Wiederherstellung der normalen Nierenfunktion möglich ist.

 

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Was können Sie tun?

Wird auf Grund von Beschwerden, Urin- und Blutuntersuchungen die Diagnose einer entzündlichen Nierenerkrankung gestellt, ist es oberstes Ziel die Nierenfunktion wiederherzustellen.

Deshalb leitet ihr Arzt eine entsprechende Therapie ein. Sie können aber auch selbst einiges für ihre Nieren tun und somit die Therapie ihres Arztes unterstützen. Die Nieren sind Ausscheidungsorgane, deshalb ist es ganz wichtig, daß sie genügend "durchgespült" werden. Achten Sie deshalb auf eine ausreichende Trinkmenge von mindestens 2 Liter pro Tag.
Dazu eignen sich alle Arten alkoholfreier Getränke, besonders gesund sind Mineralwässer, ungesüßte Tees oder Fruchtsäfte. Da im Alter das Durstgefühl nachläßt, müssen insbesondere ältere Menschen stets auf eine ausreichende Trinkmenge achten.

Dieser "Spüleffekt" bewirkt die vermehrte Ausscheidung von eventuell vorhandenen Bakterien mit dem Urin. Ein Aufsteigen von Krankheitserregern über die Blase in die Nieren wird so verhindert. Eine ausreichende Trinkmenge ist nicht nur dann wichtig, wenn schon Probleme aufgetreten sind, vielmehr kann man durch genügend Flüssigkeitszufuhr dem Entstehen von Nierenerkrankungen vorbeugen.

Gesunde Nieren kann man mit Flüssigkeit nicht überfordern, sondern nur fördern.

 

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Ein Patienten - Service von ratiopharm                                                   Ihr

 

 

 

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Stand: 05. Juni 1999