Wissenswertes zum gesundheitsbewußten Leben für Patienten mit
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Die Glomerulonephritis – eine besondere Form der entzündlichen Nierenerkrankungen

Die Ursachen für diese Form der Nierenentzündungen sind bisher weitgehend unbekannt, so daß eine kausale Therapie d.h. eine die Ursache bekämpfende Behandlung oft nicht möglich ist. Bei einigen Formen weiß man daß eine bestehende Zuckererkrankung (Diabetes mellitus) oder eine Bindegewebserkrankung Auslöser der Entzündung ist.

  • Eine entzündliche Nierenerkrankung diesen Ursprungs (Glomerulonephritis) kann durch vielfältige Faktoren ausgelöst werden.
    Eine kleine Gruppe der Erkrankungen beruht auf der Infektion des Nierengewebes durch Bakterien. Dies läßt sich zumeist gut mit Antibiotika behandeln und heilt im Normalfall ohne weitere Folgen aus.
  • Den weitaus größeren Anteil der Glomerulonephritiden bilden jedoch die abakteriellen Entzündungen d.h. entzündliche Veränderungen der Nieren, die nicht durch Bakterien hervorgerufen werden.
    Dabei kommt es nicht nur zum Befall einer Niere, vielmehr liegt eine doppelseitige Nierenentzündung vor. Je nach Verlauf der Erkrankung spricht man von akuter – d.h. Nierenentzündung die plötzlich auftritt und meistens folgenlos ausheilen oder chronischer Glomerulonephritis. Von chronischer Glomerulonephritis spricht man dann, wenn die Erkrankung länger als 12 Monate andauert.

Die Chancen auf Heilung sind häufig schlechter als bei den akuten Formen. Im Vordergrund der Behandlung steht daher der Versuch die Nierenfunktion zu stabilisieren und ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Abakterielle Glomerulonephritiden sind weder ansteckend noch können sie vererbt werden.

 

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Die Nieren haben die Aufgabe den Wasserhaushalt sowie die Konzentration der Mineralstoffe wie Natrium, Kalium, u.a. konstant zu halten. Darüber hinaus erfüllen sie eine entscheidende Funktion bei der Ausscheidung von Abfallstoffen, die im Körper anfallen. Je nachdem wieviel Wasser und Mineralstoffe dem Körper mit der Nahrung zugeführt werden wird stärker oder schwächer konzentrierter Urin produziert und ausgeschieden. Mit dem Urin müssen auch die im Körper anfallenden "Abfallstoffe" ausgeschieden werden.

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden arbeitet die Niere nach einem komplizierten Filterprinzip. In der menschlichen Niere liegen kleinste Nierenkörperchen (= Glomeruli), die man sich stark vereinfacht wie kleine Filter vorstellen kann.
Diese Filter werden vom Blut durchströmt, so daß Wasser und die für den Körper schädlichen Stoffe dabei herausgefiltert werden können. Bei den Glomerulonephritiden kommt es zu Entzündungen der Nierenkörperchen, so daß Störungen der Filtration die Folge sind. Auslöser ist eine Störung des menschlichen Abwehrsystems (Immunsystem).

Dabei kann es durch einen Immundefekt, aber auch durch eine überschießende Abwehrreaktion des Körpers dazu kommen, daß Nierengewebe fälschlicherweise als körperfremd erkannt werden. Es kommt zur Bildung von körpereigenen Abwehrstoffen durch die eine Glomerulonephritis ausgelöst wird. Spezielle Eiweißstoffe, die der Körper gegen die eigenen Glomeruli produziert, können zum Verstopfen der Nierenkörperchen führen, wodurch deren Funktion erheblich beeinträchtigt wird.

Eine derartige überschießende Abwehrreaktion stellt z.B. die Situation nach einer bereits abgeheilten, bakteriellen Entzündung der Rachenmandeln = "Seitenstrangangina" dar. Ein bis vier Wochen nach Gesundung können bei den Patienten schlagartig Nierenprobleme auftreten. Der Mediziner spricht dann von einer akuten Post - Streptokokken Glomerulonephritis.

Eine akute Glomerulonephritis kann in eine chronische übergehen. Es kann aber auch durch einen bestehenden Immundefekt zu einer primär d.h. von Beginn an chronischen Glomerulonephritis kommen.

 

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Bei Patienten mit akuter Glomerulonephritis kommt es aus völliger Gesundheit heraus zum plötzlichen Auftreten der Beschwerden. Dabei stehen Blutbeimengungen im Urin, stark reduzierte Urinmenge bei normaler Trinkmenge und Durstgefühl sowie Ödeme (Wasseransammlungen in den Geweben) im Vordergrund. Typische Lokalisation der Ödeme sind die Augenlider, Gesicht, Hände und Unterschenkel.

Es können aber auch ganz allgemeine Beschwerden wie Übelkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsknick, Schwindel und Kopfschmerz hinzukommen. Von dem sich entwickelnden hohen Blutdruck (arterielle Hypertonie) bemerken die Betroffenen häufig selbst nichts.

Die Symptome bei der chronischen Glomerulonephritis sind ähnlich, treten jedoch sehr viel langsamer in Erscheinung. Aus diesem Grund werden sie von den Patienten erst wesentlich später bemerkt. Mit dem Urin kommt es zum Verlust von Eiweiß und kleinsten, mit dem bloßen Auge nicht erkennbaren Blutmengen, die häufig über Monate hinweg unerkannt bleiben. Als indirekte Anzeichen für den bestehenden Eiweißmangel treten die Ödeme auf.
Der stetige Blutverlust führt zu Blässe, Leistungseinschränkung und häufiger Müdigkeit. Die arterielle Hypertonie bleibt genauso wie bei der akuten Form zunächst unentdeckt.

 

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Wird aufgrund von Urin- und Blutuntersuchungen die Diagnose akute Glomerulonephritis gestellt, ist das oberste Ziel eine normale Nierenfunktion wiederherzustellen. Im Urin findet man Eiweiß, Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und Erythrozytenzylinder. Kreatinin und Harnstoff als ausscheidungspflichtige Substanzen sind erhöht, die Blutsenkung oft beschleunigt und der Antistreptolysin-Titer (AST) zumeist deutlich erhöht.

  • Liegt eine bakterielle Infektion u.U. nur kurze Zeit zurück, versucht man durch Gabe von Antibiotika diesen Entzündungsherd komplett zu sanieren und somit ein Wiederausbrechen der Infektion zu verhindern.

  • Körperliche Schonung mit Bettruhe sind unumgänglich. Um ausgeprägte Ödeme zu behandeln, sollten die Patienten auf eine reduzierte Salzzufuhr achten. Reicht dies nicht aus verordnet der Arzt entsprechende Medikamente, die eine Ausschwemmung der Ödeme bewirken und die Nierenfunktion gleichzeitig stabilisieren.

  • Auch der hohe Blutdruck muß medikamentös behandelt werden, zum einen um eine ausreichende Nierenfunktion zu gewährleisten, zum anderen um die generelle Schädigung des Körpers durch die arterielle Hypertonie zu vermeiden.
    All diese Maßnahmen sollen einen Funktionsausfall der Nieren verhindern und darüber hinaus zum Ausheilen der Erkrankung führen. Bei etwa ¾ aller Patienten kann dieses Ziel erreicht werden. Versagen diese Maßnahmen jedoch ganz oder teilweise resultieren bleibende Nierenschäden.

Das therapeutische Vorgehen bei Patienten mit chronischer Glomerulonephritis ist um ein vielfaches aufwendiger. Im Vordergrund der Behandlung steht der Versuch ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

  • Neben Allgemeinmaßnahmen wie körperliche Schonung und Schutz vor Kälte und Nässe steht die Vermeidung weiterer Infektionskrankheiten bzw. die direkte Antibiotikatherapie beim Auftreten von Infekten. Hierdurch soll eine weitere Schädigung der Nieren verhindert werden.

  • Da die Erkrankung häufig Folge eines geschädigten bzw. gestörten Immunsystems ist, kommen auch sog. Immunsuppressiva und Kortikoide zum Einsatz. Läßt sich die Erkrankung dennoch nicht stoppen, führt sie zu einer weiteren Einschränkung der Nierenfunktion. Die im Körper anfallenden Stoffwechselprodukte werden nur noch unzureichend ausgeschieden und vergiften den Organismus.

  • Als letzte Möglichkeit bleibt nur noch die Dialyse oder die Nierentransplantation.

 

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Nach Abklingen der Akut-Symptome und nach Stabilisierung Ihres körperlichen Befindens ist eine kontinuierliche Überwachung mit konsequenten Kontrollen unbedingt erforderlich - und das über Jahre hinweg.

 

 

Ein Patienten - Service von ratiopharm                                                   Ihr

 

 

 

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Stand: 22. Mai 1999