Wissenswertes zum gesundheitsbewußten Leben für Patienten mit
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Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit, jeder von uns kennt dieses Gefühl. Prägen diese Phasen jedoch die Stimmung und das Verhalten des Betroffenen über Wochen und Monate -nicht selten auch noch wesentlich länger- so spricht man von einer Depression.

Was bedeutet eigentlich der Begriff "Depression"?

Der Begriff entstammt dem lateinischen "deprimere" und bedeutet im ursprünglichen Sinn: "herunterdrücken, niederdrücken". Die Realität drückt sich ebenso aus: "man ist gedrückt, die Stimmung ist gedrückt"; diese und ähnliche Ausdrücke versinnbildlichen den seelischen Zustand des Erkrankten recht gut.

Jedoch drückt der Begriff "Depression" nicht nur diesen seelischen Zustand aus, sondern beschreibt zugleich auch die -bis jetzt bekannten- Ursachen dieser Erkrankung, nämlich, daß bei der Depression bestimmte Signale in den Nervenzellen des Gehirns auch "niedergedrückt" werden. Doch dazu später.

Die Depression kann bei Menschen jeden Alters, jeder Gesellschaftsschicht und jeder Kultur und Nationalität auftreten; die Häufigkeit hat zumindest -was die hochindustrialisierten Länder betrifft- in den letzten Jahrzehnten ständig zugenommen.

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Welche Ursachen sind an der Entstehung der Depression beteiligt?

Um diese Frage zu beantworten, muß man etwas "ausholen": im menschlichen Gehirn sind etwa 100 Milliarden !!! Nervenzellen ständig aktiv. Jede dieser Nervenzellen steht steht mit mindestens 20000 !!! weiteren Nervenzellen in direktem Kontakt. In diesem riesigen Netzwerk von Nerven, das eine Länge von mehr als 300000 Kilometern erreicht, werden die Stimmungen und Gefühle und alle anderen menschlichen Reaktionen durch chemische Impulse von einer Nervenzelle zur anderen übertragen.

Die sogenannten Botenstoffe -Serotonin und Norardrenalin (auch Neurotransmitter genannt) sind solche Stoffe- werden von der Endigung einer Nervenzelle (sogenannte Synapse) in den Synapsenspalt freigesetzt und von dem Rezeptor der angrenzenden Nervenendigung aufgenommen; auf diese Weise werden die Impulse von einer Nervenzelle zu anderen chemisch übertragen.

Werden nun in bestimmten Hirnarealen zu wenig Botenstoffe gebildet bzw. freigesetzt, können die Sinnesempfindungen oder Stimmungen nicht weitergeleitet werden; sie bleiben förmlich im komplizierten Nervennetzwerk stecken und führen zu den bekannten Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, Versinken in sich, Unfähigkeit, spontane Entscheidungen zu treffen,,,, und vor allem, sich am Leben zu freuen.

Wichtig zu erwähnen ist noch -und diese Erkenntnis ist recht neu-, daß die Serotonin und Norardrenalin die Freisetzung von Streßhormonen im Körper hemmen: d.h., daß bei dem der Depression zu Grunde liegenden Mangel an den sogenannten Botenstoffen Serotonin und Norardrenalin gleichzeitig mehr Streßhormone aus den Nebennieren in unserem Körper ausgeschüttet werden: dies führt zu inneren Unruhe und Nervosität, die außerdem jede Menge Kraft kostet.

Depressionen sind in sich höchst verschiedene und komplexe Krankheitsbilder. Die früher gebräuchlichen Bezeichnungen wie endogene, reaktive, klimakterische oder neurotische Depression ..... werden Ihnen nicht gerecht. Als bessere Differenzierungs-Kriterien gelten heute die Unterscheidung in:

  • Depressionen durch organische Ursachen: solche Ursachen können z.B. Stoffwechselerkrankungen, hormonelle Umstellungen, eine Hirnarteriosklerose und ein chronischer Mißbrauch von Psychopharmaka ..... sein.
  • Depressionen durch endogene Ursachen: unter einer endogenen Depression versteht man ein Krankheitsbild, für das weder organische noch psychische Ursachen verantwortlich gemacht werden können. Es werden von innen kommende (endogene) Ursachen für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich gemacht. Auch die erbliche Komponente ist darunter einzuordnen.
  • Depressionen durch psychische Ursachen: Akute oder chronische Konflikte (zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in der Familie) können zu einer Depression führen.

 

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Veränderungen im normalen Verhalten eines Menschen geben oft den ersten Verdacht einer depressiven Erkrankung: ein früher immer lustiger und geselliger Mensch zieht sich auf einmal "in sich zurück", er ist reizbar auf der einen Seite, oft aber auch lustlos und gleichgültig in Dingen, die ihm besonders viel bedeutet haben.

Eine besondere Auffälligkeit bei der Depression ist das morgentliche Stimmungstief mit Besserung der Symptomatik am Nachmittag/Abend. Schlafstörungen sind oft vorhanden, gleichzeitig auch Appetitlosigkeit An weiteren wichtigen Symptomen sind folgende erwähnenswert:

  • Antriebslosigkeit, keine Lust, sich auch liebgewordenen Tätigkeiten zu widmen
  • aber auch Ruhelosigkeit
  • innere Leere, Hoffnungslosigkeit
  • zum Teil tiefe, nicht begründbare Traurigkeit
  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Störungen der Konzentration
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • unbestimmte Angst,
  • Neigung zum Grübeln
  • körperliche Symptome wie Druckgefühl in der Brust,
  • Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen

Diese Aufzählung ist weder vollständig, noch prägt sie das Erscheinungsbild aller Menschen mit einer Depression: da die Charaktere der Betroffenen wie auch Ihre ureigenstes Wesen vor der Erkrankung nicht vergleichbar waren, ist die Vielfältigkeit der Erkrankung und die Schwere der Krankheitsausprägung im Einzelfall auch völlig unterschiedlich.

 

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Bei vielen Erkrankten finden sich außer den schon dargestellten Symptomen häufig auch körperliche Beschwerden, für die auch nach gründlicher Untersuchung kein ursächlich krankhafter Befund zu finden ist.

Chronische Kopf- oder Rückenschmerzen, Magenbeschwerden oder Verstopfung, Herzrasen... sind oft körperliche Ausdrucksformen einer Depression. Wenn die Betroffenen eine ständige Angst und Besorgnis "drücken" und/oder bei den kleinsten Anlässen inadäquat reizbar erscheinen, kann eine Depression vorliegen.

Die Diagnose der Depression ergibt sich nicht aus einem Röntgenbild oder Computertomographie, auch nicht aus dem Ergebnis einer Blutuntersuchung; sie ist vielmehr ein durch genaue Beobachtung des Patienten, durch Zuhören und durch Schilderung der bedrückenden Situation ein sich ergebendes Mosaik von Informationen, die in all Ihrer Vielfalt schließlich zum Bild einer "Depression" zusammensetzen.

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Wie kann man die Depression in den Griff bekommen?

Sicherlich nicht so einfach, wie eine Grippe zu kurieren. Denn es gilt, dem Erkrankten mit viel Vorsicht und Einfühlungsvermögen die Erkrankungssituation bewußt zu machen, ohne daß er sich in seinem Selbstwertgefühl weiter beeinträchtigt fühlt.

Heute stehen den Erkrankten eine ganze Reihe von verschiedenartigen Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, durch die bei den meisten Patienten sich eine Besserung -wenn auch oft erst nach längerer Behandlungszeit- einstellt.

  • In den leichteren Fällen ist oft schon nach einigen "Gesprächstherapien" das ursächliche Problem erkennbar (z.B. bei einer reaktiven Depression); sobald die Ursache erkannt ist, läßt sie sich auch gezielt angehen.
  • Die Verhaltenstherapie ist eine weitere Form der Behandlungsmöglichkeit der Depression; zumeist werden diese verschiedenen Therapie-Formen überschneidend eingesetzt. Nicht nur der erkrankte selbst, sondern eventuell auch der Ehepartner, die Kinder oder der Freund können und sollen zuweilen in die Behandlung mit eingeschlossen werden.
  • In vielen Fällen ist jedoch eine begleitenden oder auch alleinige medikamentöse Therapie erforderlich: es werden sogenannte Antidepressiva eingesetzt, die das chemische Ungleichgewicht an Neurotransmittern (Botenstoffe) ausgleichen.

Zu diesen Antidepressiva zählen verschiedene Medikamentengruppen:

  • trizyklische Antidepressiva
  • Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)
  • Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer
  • verschiedene andere Medikamente

Diese Medikamente haben jedoch (je nach Präparat) einige Nebenwirkungen, die vor allem zu Beginn einer medikamentösen Therapie auftreten; besonders zu nennen wären:

  • Müdigkeit, in einigen Fällen auch anfängliche Unruhe, ggf. verbunden mit leichtem Zittern
  • Mundtrockenheit
  • Neigung zur Verstopfung
  • ggf. Veränderungen des Blutdruckes (häufigere Blutdruckkontrollen in der Einstellungsphase)
  • Übelkeit

    bei den modernen Medikamente nur noch recht selten:

      • Probleme beim Wasserlassen
      • zum Teil Herzrhythmusstörungen

Die möglichen Nebenwirkungen sind sicher -falls sie auftreten sollten- unangenehm. aber an sich meistens harmlos. Dennoch ist es wichtig, sie Ihrem Arzt mitzuteilen, damit er das für Sie verträglichste Medikament für Sie aussuchen kann.

Auf eines sei jedoch nochmals hingewiesen: vor allem zu Beginn einer Therapie -die immer aus zwei Säulen besteht, nämlich der Medikamenten- und der Verhaltens-Therapie- stehen Medikamente oft im Vordergrund der Behandlungsmöglichkeit: denn bei vielen Formen der depressiven Erkrankung ermöglichen sie erst, den Betroffenen aufnahmefähig für die folgende Psychotherapie zu machen.

 

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Eines ist jedoch von entscheidender Wichtigkeit zum Erfolg der Therapie: da ja -wie Sie schon erfahren haben- das grundsätzliche Problem bei der Depression darin besteht, daß zur Informationsweiterleitung an den Synapsen zu wenig Botenstoffe freigesetzt werden, wird es normalerweise einige Zeit in Anspruch nehmen, bis das "Gleichgewicht in Ihrem Körper" wieder hergestellt ist; es wird einige Wochen beanspruchen, das für Sie das richtige Medikament und die für Sie richtige Dosis zu finden.

Bei sehr schweren Depressionen kann es erforderlich werden, anfänglich zusätzliche beruhigende und eventuell schlaffördernde Medikamente zu geben, die die Anfangsphase -bis die eigentliche Medikamentenwirkung des Antidepressivums einsetzt- überbrückt.

In dieser Zeit sollten Sie versuchen, Geduld aufzubringen, der Ihrem Körper Gelegenheit gibt, die Umstimmungsprozeß schonend herbeizuführen.

 

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Die Erkrankung ernst nehmen: Zögern Sie nicht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie unter einer Depression leiden. Eine Depression ist eine echte Erkrankung des gesamten Menschen und nicht bloß eine Befindlichkeitsschwankung. Sie umfaßt Veränderungen
  • des Erlebens (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Kränkung, niedergedrückte Stimmung),
  • des Denkens (Katastrophenvorstellungen, negative Verallgemeinerungen),
  • des Verhaltens bzw. Antriebs (sozialer Rückzug, Inaktivität, innere Leere) und
  • des Körpers (Nervosität, Schlafstörungen, Herzbeschwerden usw.).

Eine schwere Depression kann das ganze Leben verändern, die Umwelt einbeziehen und in Extremfällen Selbstmordgedanken und -tendenzen auslösen. Die medizinische „Depression" ist von dem in der Umgangssprache gebräuchlichen Begriff zu unterscheiden, der unter anderem auch ein vorübergehendes Stimmungstief beschreibt.

Depressionsauslöser erkennen: Auch wenn manchmal ein besonderer Schicksalsschlag als Auslöser erscheint (Verlust, Kränkung, Scheitern von Plänen und Lebensmöglichkeiten), sind viele Depressionen das Endergebnis einer langen Kette von Belastungen, bei denen der letzte Tropfen das Faß überlaufen läßt.

Hoffnung schöpfen und bewahren: Vertrauen Sie darauf, daß Ihr Leiden sehr gut zu behandeln ist, auch wenn Sie momentan alles schwarz sehen. Unzählige Menschen vor Ihnen haben Depressionen erfolgreich bewältigt.

Haben Sie Geduld: Depressionen kommen und gehen selten aus heiterem Himmel. Oft haben sie eine längere Vorgeschichte und münden in ein Gefühl völligen Erschöpftseins bzw. großer Leere. So wie man einen leeren Tank allmählich auffüllt, braucht es auch bei Depressionen Zeit, bis durch Medikamente und Verlernen kraftzehrender Verhaltensweisen wieder ausreichend Energie zur Verfügung steht.

Sich Entlastung gönnen: Schützen Sie sich vor eigenem und fremdem Druck. Machen Sie sich bewußt, daß depressive Menschen meist hohe Erwartungen an sich selbst richten. Oft handelt es sich um Perfektionisten, die alles 200prozentig machen wollen und sich unter massiven Leistungsdruck stellen. Diesen Streß verstärkt die Umwelt durch passende Appelle wie „Reiß Dich doch zusammen". Verstehen Sie also Ihre seelische Erkrankung als Aufforderung, sich von krankmachenden Verhaltensmustern, Einstellungen und Streßquellen zu befreien. Akzeptieren Sie, daß Sie zur Zeit vielen Anforderungen einfach nicht mehr genügen können und erlauben Sie sich selbst ausdrücklich, depressiv zu sein (zu klagen, zu weinen usw.).

Sich bewegen: Nutzen Sie die antidepressive Wirkung von sportlicher Bewegung. Offensichtlich setzt Sport im Körper Botenstoffe frei, die entspannen und die Stimmung verbessern. Besonders bewährt haben sich Ausdauersportarten wie Walking (schnelles Gehen), Jogging, Radfahren, Schwimmen usw. Radfahren hat den Vorteil, daß Sie sich durch Ausflüge neue Räume und so möglicherweise ein Gefühl von Freiheit erschließen. Ihr Hausarzt wird Sie gerne beraten. Sport eignet sich auch dazu, Ärger und Wut auf gesunde Art und Weise abzubauen.

Lebensentscheidungen „mit freiem Kopf" treffen: Grundlegende Entscheidungen für Ihr weiteres Leben (Heirat, Umzug, Scheidung, Kinderkriegen, Kündigung, Berufswechsel) sollten Sie keinesfalls in einem Zustand schwerer Depression zu treffen oder durch andere treffen zu lassen. Wenn Sie solche Entscheidungen später bereuen, kann es sein, daß Sie noch depressiver werden. Es ist auch für die Beteiligten nicht allzu erfreulich, wenn Sie erfahren, daß Ihre Entscheidung (Heirat, Kinderkriegen.....) vor allem der Selbstheilung diente.

 

Ein Patienten - Service von ratiopharm                                         Ihr

 

 

 

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Stand: 05. Juni 1999