Wissenswertes zum gesundheitsbewußten Leben für Patienten mit
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Weichteil- und Gelenkrheumatismus

Ihr Arzt hat bei Ihnen eine Erkrankung des sog. "Rheumatischen Formenkreises" festgestellt; dies sind, drückt man es allgemein aus, chronische entzündliche Reaktionen des Bindegewebes und des Bewegungsapparates.
Gelenke, Bindegewebe und Muskulatur sind entzündet und verursachen daher Schmerzen. Es handelt sich dabei um eine Systemerkrankung, das bedeutet, es ist nicht nur ein einziger Muskel oder ein einziges Gelenk betroffen, sondern es kann zu einer generalisierten, d.h. den gesamten Körper betreffenden Entzündungsreaktion kommen.
Bei rheumatische Erkrankungen kann man meistens keine genauen Ursachen finden, wissenschaftliche Untersuchungen haben aber gezeigt, daß Vererbung und Virusinfektionen eine große Rolle spielen. Andererseits sind oft auch sogenannte Autoimmunprozesse Auslöser rheumatoider Erkrankungen. Bei Autoimmunprozesssen kommt es zu einer Abwehrreaktion des Körpers auf körpereigenes Gewebe, das bedeutet der Körper erkennt seine eigenen Zellen nicht, sondern sieht sie als körperfremd an und bildet deshalb Abwehrstoffe gegen eigenes Gewebe.

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Frauen leiden 3 - 4 mal häufiger an rheumatoiden Erkrankungen, als Männer. Die Krankheit tritt meist um das 40. Lebensjahr erstmals auf. Es kann aber in selteneren Fällen schon im frühen Erwachsenenalter zur Erkrankung kommen.

Unter dem Begriff Weichteil- und Gelenkrheumatismus faßt man mehrere verschiedene Krankheiten zusammen, bei denen es zu chronischen Entzündungsreaktionen kommt. Von Weichteilrheumatismus spricht man wenn dabei das Bindegewebe betroffen ist, von Gelenkrheumatismus wenn es sich um Entzündungen der Gelenke handelt.

Typischer Vertreter des Gelenkrheumatismus ist die chronische rheumatoide Arthritis. Als Weichteilrheumatismus bezeichnet man den systemischen Lupus erythematodes, die Polymyositis und die Sklerodermie.

Es handelt sich dabei nicht um akute, sondern um chronische Erkrankungen. Auch unter Therapie kommt es nicht zur Ausheilung, sondern die Krankheit verläuft schubartig mit immer wieder auftretenden Beschwerden. Deshalb ist es Ziel der Therapie nicht nur akute Beschwerden zu lindern, sondern auch den Wiederausbruch zu verhindern bzw. die Abstände zwischen den Schüben zu vergrößern, um so die Schwere der Krankheit zu reduzieren.

 

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Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste chronische Gelenkerkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch eine Entzündung der Innenschicht der Gelenkkapsel, der Sehnenscheiden und der Schleimbeutel. Betroffen sind anfangs die kleinen Gelenke wie z.B. Finger- und / oder Zehengelenke.
Die Patienten klagen bedingt durch diese Entzündung über Schwellung der Gelenke und über bewegungsabhängige Schmerzen. Die Entzündung tritt meistens symmetrisch auf und greift allmählich auch auf größere Gelenke (Hand-, Knie-, Ellenbogen- und Sprunggelenk) über. Als Folge dieser chronischen Entzündung kommt es langsam zur Zerstörung des Gelenkknorpels und damit auch zur dauerhaften schmerzhaften Bewegungseinschränkung.

Als typisches Frühsymptom dieser Erkrankung gilt die Morgensteifigkeit, darunter versteht man, daß die Beweglichkeit bestimmter Gelenke direkt nach dem Aufstehen eingeschränkt ist, sich aber einige Stunden später verbessert.

Bei ca. 20 % der Patienten kommt es zur Bildung sogenannter Rheumaknoten im Bereich der Sehnen. Diese knotenartige Verdickungen lassen sich durch die Haut tasten und sind durch Zusammenlagerung bindegewebiger Zellen entstanden.

Neben den beschriebenen typischen Gelenksymptomen kommt es als Ausdruck einer systemischen Erkrankung auch zu ganz unspezifischen Allgemeinreaktionen wie Abgeschlagenheit, Schweißneigung, Gewichtsabnahme, leichter Temperaturerhöhung, brüchige glanzlose Fingernägel und Pigmentveränderungen an den Händen.

In seltenen Fällen kann zusätzlich ein entzündlicher Befall von Herz, Lunge, Augen und Gefäßen auftreten.

Bedingt durch den fortschreitenden Verlauf der Erkrankung kommt es im Laufe der Zeit zu Gelenkfehlstellungen und damit auch zu einem Funktionsverlust der Feinmotorik.

 

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Die Diagnostik einer rheumatischen Erkrankung und der Einschätzung der Schwere der Erkrankung stützt sich auch heute noch in erster Linie auf eine eingehende Befragung und genaue Untersuchung des Patienten: Gelenkverformung, Beweglichkeit des/der Gelenke, eine örtliche Temperaturerhebung oder ein Gelenkreiben und die Lokalisation der betroffenen Gelenke geben dem Arzt wertvolle Hinweise; Laboruntersuchungen (erhöhte BSG Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit, C-reaktives Protein... sowie ggf. Untersuchung des Gelenkpunktates) und Röntgenaufnahmen (etwa zum Ausschluß einer Tumorerkrankung oder Verkalkungen im Gelenkbereich) unterstützen und komplettieren die Diagnostik.
In ganz schwierigen Einzelfällen ist es nötig, noch weiter differenzierte Untersuchungen durchzuführen wie etwa (Arthroskopie, Knochenbiopsie...).

Kriterien zur Klassifikation der chronischen Polyarthritis

Zur Diagnostizierung einer cP müssen vier der Kriterien vorhanden sein; die Kriterien 1 -4 müssen seit mindestens sechs Wochen vorhanden sein.

  • 1. Morgensteifigkeit von mindestens 1 Stunde Dauer
  • 2. Arthritis von mindestens drei verschiedenen Gelenkarealen
  • 3. Arthritis im Bereich der Hände
  • 4. Symmetrische Arthritis
  • 5. Rheumaknoten
  • 6. Positiver Rheumafaktor (Definition: Weniger als 5% gesunder Individuen sind mit der verwendeten Methode positiv)
  • 7. Radiologische Veränderungen (für die cP typische Veränderungen auf den Aufnahmen der Hände, inkl. Erosionen oder eindeutiger Mineralsalzminderung)

Als Grundsatz der Therapie muß man zuerst erwähnen, daß es kein Allheilmittel gibt: für die meisten chronischen Gelenkerkrankungen setzt sich der optimale Behandlungsplan aus verschiedenen, genau auf Sie bzw. die Schwere ihrer Erkrankung abgestimmten Maßnahmen zusammen:

  • medikamentöse Maßnahmen (zur Schmerzbekämpfung und Unterdrückung von Krankheitsprozessen):
    • in erster Linie sind dies sogenannte Antirheumatika (hierzu zählen Substanzen wie Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Indometacin oder Piroxicam)
    • Kortison-Präparate werden vor allem bei hochakuten entzündlichen Schüben (Rheumaanfällen) verabreicht, aber auch zur Dauertherapie -allein oder kombiniert mit Antirheumatika- in niedriger Dosierung gegeben.
    • andere langwirksamer Präparate zur Dauertherapie wie z.B. D-Penicillamin, Hydroxy-Chloroquin, Sulfasalazin und verschiedene Goldsalze.
  • physikalische Therapie (dient gleichermaßen zur Prävention als auch zur Therapie - das Ziel ist die Erhaltung und Verbesserung der körperlichen Funktionen bzw. der Gelenkbeweglichkeit)
  • ergotherapeutische Maßnahmen helfen bei Unterweisung in körperlichen Tätigkeiten und zum Gebrauch von Hilfsmitteln, die bei häuslichen Arbeiten und bei der Selbstversorgung (Anziehen....) oft wesentliche Erleichterung bedeuten.

 

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Auch mit Polyarthritis beweglich bleiben!

Obwohl die rheumatoide Arthritis zu den chronischen Erkrankungen zählt, ist man ihr nicht machtlos ausgeliefert. Neben der medikamentösen Therapie durch Ihren Arzt gibt es noch weitere Möglichkeiten die Beschwerden zu lindern. Einen wesentlichen Einfluß hat dabei die Bewegungstherapie. Oberstes Ziel ist es dabei den Patienten bzw. die betroffenen Gelenke beweglich zu halten, um eine Schrumpfung der Gelenkkapsel sowie einen Muskelschwund zu verhindern. Dies kann durch Massagen, Krankengymnastik oder Bewegungsübungen im Wasser erreicht werden.
Eine Kälteapplikation in Form von Eis- oder Kältepackungen auf die entsprechenden Gelenken ist außerdem sehr empfehlenswert, da die Kälte die Schmerzempfindlichkeit senkt und auch die Ausbreitung der Entzündung hemmt. In jedem Fall muß im akuten Schub einer Entzündung eine Wärmeanwendung vermieden werden, da diese die Entzündung noch fördern würde und sich so die Beschwerden verschlimmern.

 

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Körperlich aktiv zu bleiben ist von wesentlicher Bedeutung für das Aufhalten des Fortschreitens einer derartigen Erkrankung. Deshalb versuchen Sie -auch wenn es Ihnen nicht unerhebliche Mühe bereitet- sich Ihren Möglichkeiten entsprechend  körperlich zu betätigen.

Wählen Sie die Form der körperlichen Bewegung, die schonend und sanft zu Ihre Gelenken ist wie Schwimmen oder Fahrradfahren (kontinuierliche Bewegungen); vermeiden Sie abrupte Bewegungen wie plötzliches Stoppen bei Ballsportarten.

Wie auch bei anderen Erkrankungen ist eine ausgewogene, kalorienbewußte und vitaminreiche Ernährung bei Normalisierung des Körpergewichtes sehr wichtig.

 

Ein Patienten - Service von ratiopharm                        Ihr

 

 

 

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Stand: 09. April 1999