Wissenswertes zum gesundheitsbewußten Leben für Patienten mit
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HELICOBACTER PYLORI

Die Besiedlung des Magens durch Bakterien ist seit mehr als 100 Jahren bekannt. Erst 1983 gelang es jedoch, Helicobacter pylorii, ein säureresistentes Bakterium, zu kultivieren. Hierdurch gelang es in den letzten Jahren, die Bedeutung dieses Keimes für die Entstehung von Geschwüren des Magens und Zwölffingerdarms zu erforschen. Galt früher die Merkregel "ohne Säure kein Ulcus", hat sich das medizinische Verständnis nunmehr gewandelt in "ohne Helicobacter kein Ulcus".

Die Ansteckung erfolgt von Mensch zu Mensch, gehäuft bei schlechten hygienischen Verhältnissen. Vor allem die Nachkriegsgeneration ist daher von der Helicobacter pylorii-Infektion betroffen.

Tatsächlich werden 96% der Zwölffingerdarmgeschwüre und 70% der Magengeschwüre durch diesen Keim verursacht. Die übrige Anzahl an Magengeschwüren wird meist durch Schmerz- und Rheumamittel verursacht. Helicobacter pylorii verursacht eine chronische Gastritis mit vermehrter Bildung von Magensäure und Mangel an Schutzfaktoren.

 

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Der spiralförmige Keim ist sehr verbreitet. Weltweit leiden ungefähr 3,5 Milliarden Menschen an einer Infektion. Er ist Ursache für viele Magenleiden, besonders aber für die hartnäckigen und bislang oft therapieresistenten Geschwürleiden, bei denen früher häufiger als heute Operationen notwendig wurden.
Fast jedes Säugetier hat einen Helicobacterstamm in seinem Magen, der aber nicht übertragbar ist. Der Keim wird im Stuhl ausgeschieden, kann aber auch in Zahnplaques nachgewiesen werden. Man infiziert sich meist schon im Kindesalter, hat allerdings bis zum Endes des 2. Lebensjahres noch Schutz durch die Antikörper der Mutter. Durch Schmierinfektion wird der Keim übertragen, im Erwachsenenalter sind Infektionen durch Küssen etc. offensichtlich ganz selten.
Der Keim schützt sich in unserem Magen durch eine Ammoniakwolke vor dem Abbau und kann auch so der aggressiven Magensäure trotzen. Der Körper versucht, wie bei anderen Infektionen auch, Abwehrkräfte zu entwickeln, dies gelingt aber nur in 5-7% der Fälle. Das erklärt, warum es nach einer Infektion meist zur Ausbildung einer chronischen Schleimhautentzündung kommt, die sich dann, wie beschrieben, verschlimmern kann.

Die lokale Entzündung im Magen ist Ausdruck der Körperabwehr gegen den Keim. Folge sind meist bei langer Entzündung ein Abbau der Magenschleimhaut und der Magenfalten.
Einer Infektion kann man eigentlich nur vorbeugen, indem man Schmierinfektionen vermeidet und insbesondere seine Kinder davor schützt. Der Keim kann entweder durch einen sog. Urease-Schnelltest nachgewiesen werden oder durch eine feingewebliche Untersuchung von Gewebematerial, das man endoskopisch aus dem Magen gewonnen hat.

Mit neueren Verfahren kann man Antikörper gegen den Keim im Blutserum oder im Speichel nachweisen. In einem noch nicht überall verbreiteten Atemtest kann ebenfalls eine H.p.- Infektion festgestellt werden, nachdem man eine Testflüssigkeit getrunken hat. Diese Methode wird jedoch nicht bei der Erstdiagnostik der H.p.- Infektion eingesetzt.

Durch eine gezielte antibiotische Therapie ist eine Abtötung des Keimes möglich. Seit ca. 5 Jahren etabliert sich im Rahmen der Ulkusbehandlung eine Kombinationstherapie aus Antibiotika und säurehemmenden bzw. die Säureproduktion des Magens unterbindenden Medikamenten. Durch die moderne sog. Dreifach- oder Tripeltherapie kann der Keim nach neueren Studien in ca. 90% innerhalb von sieben Tagen abgetötet werden.

Die Heilungschancen des früher oft hartnäckigen Geschwürleidens haben sich deutlich verbessert. Eine routinemäßige antibiotische Therapie zur Vorbeugung ist jedoch nicht sinnvoll, weil die Bakterien resistent würden, d.h. nicht mehr auf die Medikamente ansprechen würden. Eine solche Behandlung wird nur durchgeführt, wenn Krankheitserscheinungen und Beschwerden bestehen. An einem Impfstoff wird in Tübingen am Max-Planck-Institut und an der Universität Lausanne eifrig gearbeitet. Mit der Einführung einer Impfung wird jedoch erst in ca.10 Jahren zu rechnen sein.

 

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Die HAUPTURSACHE der Ulkuskrankheit (Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür) liegt -wie schon gesagt- in einer Infektion mit dem 1983 von Marshall und Warren beschriebenen spiralförmigen kleinen Bakterium, das als Helicobacter pylori Einzug in die Medizinliteratur hielt und bisherige Forschungen und Therapieschemata korrigierte. Die Wissenschaftler haben für ihre Entdeckung höchste medizinische Ehrungen erhalten und wurden wohl auch für den Nobelpreis vorgeschlagen.

Bei etwa 95 Prozent der Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwüren und bei ca. 70-80 % derer mit Magengeschwüren zeigt sich eine durch dieses Bakterium hervorgerufene chronische Schleimhautentzündung als Boden, auf dem sich dann das Geschwür entwickelt hat.

Hat eine Person eine durch Helicobacter pylori ausgelöste Schleimhautentzündung, so findet man 6-8 mal häufiger ein Magenkarzinom als bei solchen, die keine Gastritis haben. Auch bei selteneren Erkrankungen wie der Riesenfaltenbildung des Magens oder Magenlymphomen ist der H.p. nicht unbeteiligt. Deshalb ist die Erkennung und konsequente Therapie so wichtig.

 

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Die Diagnose einer Helicobacter pylorii-Infektion ist einfach. Während einer Gastroskopie werden für den Patienten nicht wahrnehmbar winzige Magenschleimhautproben mit einer kleinen Biopsiezange entnommen. Durch mikroskopische Begutachtung durch einen Pathologen oder eine Farbstoffreaktion der Probe in einem Röhrchen im Endoskopielabor kann zweifelsfrei ein Helicobacter pylorii-Befall festgestellt werden.

Da eine Antibiotikatherapie jedoch nur bei gleichzeitigem Nachweis eines Geschwürs und von Helicobacter pylorii notwendig ist, muß bei der Erstdiagnose immer eine Gastroskopie erfolgen. Ausnahmen sind Kinder oder die Therapiekontrolle nach Behandlung der Helicobacter pylorii-Infektion.

Zur Therapie ist die Kombination von 2 Antibiotika und gleichzeitige Gabe eines Säureblockers über 7 Tage notwendig. Die Erfolgsrate dieser Eradikations-Behandlung liegt zwischen 80 und 90 %; der Therapieerfolg bei Rauchern ist deutlich geringer. Die Zahl der Patienten, die durch eine medikamentöse Therapie nicht geheilt werden können, ist nach Einführung der Helicobacter-Bekämpfung sehr viel geringer geworden. Die früher häufig erforderliche Operation mit Durchtrennung von Fasern des Vagusnerven, der die Salzsäurebildung beeinflußt, wird nur noch selten durchgeführt. Auch die operative Teilentfernung des Magens wegen eines fortschreitenden und komplikationsträchtigen Geschwürleidens ist heute äußerst selten geworden.

In den letzten Jahren mehren sich auch Veröffentlichungen, die Heliobacter pylorii als Ursache des Magenkarzinoms sehen. Dies ist noch nicht gesichert, jedoch kann man davon ausgehen, daß es sich um einen begünstigenden Faktor bei der Magen-Krebsentstehung handelt.

Das Wichtigste bleibt die Wahrnehmung von ersten Beschwerdezeichen und die konsequente Therapie bei Diagnose eines krankhaften Befundes bei der ärztlichen Untersuchung.

Nach erfolgter Therapie besteht neuerdings die Möglichkeit, durch einen Atemtest ohne Endoskopie einen Heliobacter pylorii-Befall nach erfolgter medikamenteöser Therapie zu kontrollieren. Dabei muß der Patient eine harmlose Menge (1 mg) gelösten 13C-Harnstoff trinken. Bei Helicobacter pylorii-Befall ist 13C als Kohlendioxid in der Ausatemluft des Patienten meßbar.

An einer Schluckimpfung wird bereits intensiv gearbeitet, die ersten Erfolge sind vielversprechend. Allerdings wird die breite Anwendung erst in fünf bis zehn Jahren möglich sein.

 

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Risiko der Übertragung der H. pylori-Infektion

Nur sehr wenige Forschungs-Studien haben das Risiko einer Infektion bei Ehepartnern von H. pylori-positiven Patienten untersucht, und die Ergebnisse sind widersprüchlich.
Aus einer dieser Studie läßt sich folgern, daß für einen Ehepartner eines H. pylori-positiven Patienten mit Duodenalulkus das Risiko einer Übertragung mit H. pylori und möglicherweise auch das einer Ulkuskrankheit ansteigt. Es erhebt sich somit die Frage der serologischen Screeninguntersuchung von Ehepartnern von H. pylori-positiven Patienten mit Duodenalulkus.

Was Sie jedoch wirklich tun sollten ist, bei Vorliegen ungeklärter Bauchbeschwerden oder bei Schwierigkeiten in Ihrem Verdauungstrakt sich an Ihren Arzt zu wenden; er wird mit Ihnen gemeinsam die für Sie ggf. erforderlichen Untersuchungsverfahren besprechen und/oder Ihnen zu einer für Sie abgestimmten Therapie raten.

 

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Ein Patienten - Service von ratiopharm                                                   Ihr

 

 

 

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Stand: 17. April 1999